Glossar
Begriffe zur Zeit nach der Abnehmspritze
Was Studien und Fachinformationen meinen, wenn sie von fettfreier Masse, Halbwertszeit oder adaptiver Thermogenese sprechen. Jeder Eintrag: eine Definition in einem Satz, die wichtigste Zahl mit Quelle, und der Artikel, der das Thema vertieft. Zwei Begriffe haben wir selbst geprägt, weil es dafür kein Wort gab; sie sind gekennzeichnet.
30 Begriffe · Stand 30. September 2026 · Fehlt ein Begriff? Schreib an dominik@nachderspritze.de.
A
Absetzkurve Begriff von Nach der Spritze
Der typische Verlauf des Körpergewichts nach der letzten Dosis: ab etwa Woche 8 messbare Zunahme, steil bis etwa Woche 20, danach flacher. Nach einem Jahr sind im Mittel zwei Drittel des Verlusts zurück.
Adaptive Thermogenese
Die Absenkung des Energieverbrauchs nach Gewichtsverlust über das Maß hinaus, das durch den kleineren Körper zu erwarten wäre. In Studien liegt sie in der Größenordnung von einigen hundert Kilokalorien am Tag.
Anabole Resistenz
Die abgeschwächte Reaktion der Muskelproteinsynthese auf Protein und Training, typisch im höheren Alter, bei Inaktivität und Bettruhe. Deshalb brauchen Ältere pro Mahlzeit etwa 0,40 g Protein pro kg Körpergewicht statt 0,24 g.
Auswaschphase
Die Zeit nach der letzten Dosis, bis der Wirkstoff praktisch vollständig ausgeschieden ist; als Faustregel etwa fünf Halbwertszeiten. Bei Semaglutid etwa fünf bis sieben Wochen, bei Tirzepatid etwa vier Wochen, bei Liraglutid wenige Tage.
B
D
F
G
Ghrelin
Ein im Magen gebildetes Hormon, das Hunger auslöst. Nach Gewichtsverlust steigt der Ghrelinspiegel und blieb in einer Studie auch ein Jahr später erhöht.
GLP-1-Rezeptoragonist
Wirkstoffe, die den Rezeptor des Darmhormons GLP-1 aktivieren und dessen Wirkung nachahmen: weniger Hunger, langsamere Magenentleerung, mehr Insulin bei Bedarf. Das natürliche Hormon wirkt Minuten, die Wirkstoffe Tage bis über eine Woche.
Glucomannan
Ein wasserlöslicher Ballaststoff aus der Konjakwurzel, der im Magen stark quillt. Für Glucomannan gibt es eine in der EU zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zum Gewichtsverlust im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung, mit Bedingungen.
Glykogen
Die Speicherform von Kohlenhydraten in Muskeln und Leber. Jedes Gramm Glykogen bindet etwa drei Gramm Wasser; deshalb schwankt das Körpergewicht bei wenig oder viel Kohlenhydraten innerhalb von Tagen um ein bis zwei Kilogramm, ohne dass sich Fett ändert.
Griffkraft
Die Kraft, mit der die Hand ein Messgerät zusammendrückt. In der PURE-Studie war jede 5 kg weniger Griffkraft mit einer um 16 % höheren Gesamtsterblichkeit verbunden; sie gilt als Marker für die Muskelkraft des ganzen Körpers.
H
Halbwertszeit
Die Zeit, in der die Konzentration eines Wirkstoffs im Blut auf die Hälfte sinkt. Laut Fachinformation: Semaglutid etwa eine Woche, Tirzepatid etwa fünf Tage, Liraglutid etwa 13 Stunden.
Haltephase Begriff von Nach der Spritze
Die Zeit nach der letzten Dosis eines GLP-1-Medikaments, in der das erreichte Gewicht ohne Medikament gehalten werden soll. Sie beginnt mit dem Absetzen und dauert mindestens ein Jahr.
Hedonischer Hunger
Das Verlangen nach Essen aus Lust und Belohnung, unabhängig vom Energiebedarf. Wird durch hochschmackhafte Lebensmittel ausgelöst und ist vom homöostatischen Hunger zu unterscheiden, der Energie nachfordert.
K
Körperzusammensetzung
Die Aufteilung des Körpergewichts in Fettmasse und fettfreie Masse (Muskeln, Knochen, Organe, Wasser). Sie zeigt, was beim Abnehmen und Wiederzunehmen tatsächlich verloren oder gewonnen wird, was die Waage allein nicht kann.
Kreatin-Monohydrat
Die am besten untersuchte Form von Kreatin. Bei 3 g täglich gilt die EU-Angabe zur körperlichen Leistung bei Schnellkrafttraining; für Erwachsene ab 55 zusätzlich die Angabe zur Wirkung von Krafttraining auf die Muskelkraft.
L
Leptin
Ein Hormon des Fettgewebes, das dem Gehirn die Größe der Energiereserven meldet. Nach Gewichtsverlust fällt der Leptinspiegel überproportional; das Gehirn liest das als Mangel und steuert mit mehr Hunger und weniger Energieverbrauch gegen.
Leucin-Schwelle
Die Menge der Aminosäure Leucin pro Mahlzeit, ab der die Muskelproteinsynthese messbar anspringt. Sie steigt mit dem Alter, weshalb Ältere pro Mahlzeit mehr Protein brauchen.
M
Metabolische Adaptation
Oberbegriff für alle Anpassungen des Körpers an ein niedrigeres Gewicht: weniger Energieverbrauch, mehr Hunger, weniger Sättigung, weniger spontane Bewegung. Sie hält nach Diäten mindestens ein Jahr an.
Muskelproteinsynthese
Der Prozess, mit dem Muskelzellen aus Aminosäuren neues Protein bilden. Er wird durch Proteinaufnahme und Krafttraining angestoßen und entscheidet zusammen mit dem Abbau, ob Muskelmasse bleibt.
N
P
Progressive Belastungssteigerung
Das Trainingsprinzip, die Belastung planmäßig zu erhöhen, sobald die vorgegebenen Wiederholungen sauber gelingen: mehr Gewicht, stärkeres Band, mehr Wiederholungen oder Sätze. Das ACSM empfiehlt Steigerungen von etwa 2 bis 10 %.
Proteinverteilung
Die Aufteilung der täglichen Proteinmenge auf die Mahlzeiten. Gleichmäßig verteilt (etwa 30 g pro Mahlzeit) war die Muskelproteinsynthese über 24 Stunden um rund 25 % höher als bei einer abendlastigen Verteilung.
R
S
Sarkopene Adipositas
Das gleichzeitige Vorliegen von Adipositas und Sarkopenie, also zu wenig Muskelmasse und Muskelkraft. Seit 2022 gibt es eine europäische Definition mit Diagnosekriterien.
Sarkopenie
Krankhafter Verlust von Muskelkraft und Muskelmasse. Nach der europäischen Definition von 2019 (EWGSOP2) gilt geringe Muskelkraft als Leitkriterium, zum Beispiel eine Griffkraft unter 27 kg bei Männern und unter 16 kg bei Frauen.
Set-Point-Theorie
Modell, nach dem der Körper ein bestimmtes Gewicht wie einen Sollwert verteidigt: Nach Gewichtsverlust steigt der Hunger und sinkt der Energieverbrauch, bis das alte Gewicht wieder erreicht ist.
T
Taillenumfang
Der Umfang der Taille, gemessen in der Mitte zwischen unterem Rippenbogen und Beckenkamm. Laut WHO ist das Risiko für Stoffwechselerkrankungen ab 94 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen erhöht, ab 102 beziehungsweise 88 cm deutlich erhöht.
Telogenes Effluvium
Diffuser, vorübergehender Haarausfall, bei dem viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase wechseln. Er beginnt meist zwei bis drei Monate nach einem Auslöser wie schnellem Gewichtsverlust und klingt in der Regel innerhalb von etwa sechs Monaten ab.
Wie das Glossar entsteht
Aufgenommen werden Begriffe, die in den Studien zur Zeit nach GLP-1-Medikamenten vorkommen und die sonst nirgends verständlich erklärt sind. Jede Zahl verweist auf die Originalarbeit. Eigene Begriffe (Absetzkurve, Haltephase) sind als solche markiert. Vertiefungen stehen im Wissensbereich, die Studien im Studien-Tracker, aktuelle Entwicklungen im Marktradar.
Ob und wie du dein Medikament absetzt, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.