Glossar
Metabolische Adaptation
Auch: metabolische Anpassung, Metabolic Adaptation, Stoffwechselanpassung
Definition
Oberbegriff für alle Anpassungen des Körpers an ein niedrigeres Gewicht: weniger Energieverbrauch, mehr Hunger, weniger Sättigung, weniger spontane Bewegung. Sie hält nach Diäten mindestens ein Jahr an.
„Mein Stoffwechsel ist kaputt“ ist die Alltagsversion. Die Forschung nennt es metabolische Adaptation und meint damit kein Defekt, sondern eine Reihe normaler Reaktionen auf einen Gewichtsverlust.
Die vier Bausteine
- Weniger Ruheverbrauch. Der Körper verbraucht nach dem Abnehmen weniger, als seine neue Größe erklärt (adaptive Thermogenese), in der Größenordnung von 300 bis 400 kcal pro Tag nach 10 % Gewichtsverlust.3
- Mehr Hunger, weniger Sättigung. Ein Jahr nach einer Diät waren bei den Teilnehmenden einer Studie das Hungerhormon Ghrelin erhöht und mehrere Sättigungshormone erniedrigt; der berichtete Hunger war höher als vor der Diät.1
- Weniger spontane Bewegung. Die Energie, die durch Alltagsbewegung verbraucht wird (NEAT), sinkt nach Gewichtsverlust oft unbemerkt.4
- Dauer. Bei den Teilnehmenden von „The Biggest Loser“ war die Absenkung des Ruheverbrauchs sechs Jahre später noch messbar.2
Was unter der Abnehmspritze anders ist
Das Medikament dämpft den zweiten Baustein, den Hunger. Die anderen drei laufen trotzdem. Deshalb fühlt sich das Halten unter dem Medikament leicht an und nach dem Absetzen schwer: Der Hunger kommt zurück, die Anpassungen des Verbrauchs waren die ganze Zeit da.
Was sich beeinflussen lässt
Der Verbrauch hängt wesentlich an der fettfreien Masse, also an dem, was beim Abnehmen mit verloren ging. Wer sie erhält oder wieder aufbaut, verkleinert Baustein eins. Alltagsbewegung lässt sich zählen und planen, das verkleinert Baustein drei. Gegen Baustein zwei helfen in Studien Protein, Ballaststoffe und Schlaf; die Details stehen unter Heißhunger nach dem Absetzen.
Vertiefende Artikel
Verwandte Begriffe
Ob und wie du dein Medikament absetzt, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Quellen
- 1.Sumithran P, Prendergast LA, Delbridge E, et al. Long-Term Persistence of Hormonal Adaptations to Weight Loss. N Engl J Med. 2011;365:1597–1604. Zur QuelleEin Jahr nach einer Diät waren appetitsteigernde Hormonveränderungen (u. a. mehr Ghrelin, weniger Leptin) weiterhin messbar.
- 2.Fothergill E, Guo J, Howard L, et al. Persistent metabolic adaptation 6 years after "The Biggest Loser" competition. Obesity. 2016;24(8):1612–1619. Zur QuelleDer Ruheenergieverbrauch blieb sechs Jahre nach starkem Gewichtsverlust deutlich abgesenkt.
- 3.Rosenbaum M, Leibel RL. Adaptive thermogenesis in humans. Int J Obes (Lond). 2010;34(Suppl 1):S47–S55. Zur QuelleNach einem Gewichtsverlust von 10 % liegt der Energieverbrauch um etwa 300 bis 400 kcal pro Tag unter dem für das neue Gewicht erwarteten Wert.
- 4.Levine JA. Non-exercise activity thermogenesis (NEAT). Best Pract Res Clin Endocrinol Metab. 2002;16(4):679–702. Zur QuelleDer Energieverbrauch durch Alltagsbewegung kann zwischen Menschen um bis zu 2.000 kcal pro Tag schwanken.