Glossar
Adaptive Thermogenese
Auch: adaptive Thermogenese, Adaptive Thermogenesis
Definition
Die Absenkung des Energieverbrauchs nach Gewichtsverlust über das Maß hinaus, das durch den kleineren Körper zu erwarten wäre. In Studien liegt sie in der Größenordnung von einigen hundert Kilokalorien am Tag.
Ein kleinerer Körper verbraucht weniger Energie, das ist Physik. Adaptive Thermogenese ist der Teil der Absenkung, der darüber hinausgeht: Der Körper spart zusätzlich, als wollte er den Verlust rückgängig machen.
Wie groß der Effekt ist
Nach einem Gewichtsverlust von 10 % liegt der Energieverbrauch nach den Messungen von Rosenbaum und Leibel um etwa 300 bis 400 kcal pro Tag unter dem Wert, der für das neue Gewicht zu erwarten wäre.1 Bei den Teilnehmenden der US-Fernsehshow „The Biggest Loser“, die extrem viel abgenommen hatten, war der Ruheenergieverbrauch sechs Jahre später noch um rund 500 kcal pro Tag niedriger als erwartet.2 Das ist ein Extremfall, aber er zeigt: Der Effekt verschwindet nicht von allein.
Woher er kommt
Ein Teil ist Hormonstellung: Weniger Leptin und Schilddrüsenhormon senken den Verbrauch, gleichzeitig steigt der Hunger.3 Ein Teil ist Muskelarbeit, die effizienter wird. Ein Teil ist unbewusst weniger Bewegung im Alltag (NEAT).
Was das nach der Abnehmspritze heißt
Wer unter dem Medikament 15 % abgenommen hat, trägt dieselbe Anpassung wie nach jeder Diät, nur dass sie unter dem Medikament kaum spürbar war, weil der Hunger gedämpft war. Nach dem Absetzen kommen beide Seiten zusammen: weniger Verbrauch und mehr Hunger. Kein Lebensmittel und kein Nahrungsergänzungsmittel hebt diesen Effekt auf. Was den Verbrauch messbar stützt, ist der Erhalt der fettfreien Masse, denn sie bestimmt den Ruheenergieverbrauch wesentlich mit.
Vertiefende Artikel
Verwandte Begriffe
Ob und wie du dein Medikament absetzt, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Quellen
- 1.Rosenbaum M, Leibel RL. Adaptive thermogenesis in humans. Int J Obes (Lond). 2010;34(Suppl 1):S47–S55. Zur QuelleNach einem Gewichtsverlust von 10 % liegt der Energieverbrauch um etwa 300 bis 400 kcal pro Tag unter dem für das neue Gewicht erwarteten Wert.
- 2.Fothergill E, Guo J, Howard L, et al. Persistent metabolic adaptation 6 years after "The Biggest Loser" competition. Obesity. 2016;24(8):1612–1619. Zur QuelleDer Ruheenergieverbrauch blieb sechs Jahre nach starkem Gewichtsverlust deutlich abgesenkt.
- 3.Sumithran P, Prendergast LA, Delbridge E, et al. Long-Term Persistence of Hormonal Adaptations to Weight Loss. N Engl J Med. 2011;365:1597–1604. Zur QuelleEin Jahr nach einer Diät waren appetitsteigernde Hormonveränderungen (u. a. mehr Ghrelin, weniger Leptin) weiterhin messbar.